Horst Tatzkow (1922-1996) spionierte für die CIA in der DDR. Und arbeitete auch für den MfS. Ein Doppelagent also. Ungewöhnlich allenfalls: nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Und immer aus Liebe zu einem Mann, der vielleicht als Agent von der DDR-Aufklärung in den Westen geschickt und dort eventuell umgedreht worden war...
Vermutet Jürgen Tatzkow. Er hat seinen Vater interviewt, Jahrzehnte recherchiert und in Akten geblättert. Sofern er sie zu sehen bekam. Die CIA zeigte ihm nämlich die kalte Schulter und die Stasi-Unterlagenbehörde nur jedes zweite Blatt, das seinen Vater betraf. Und der hat ihm auch nicht alles und nicht immer die Wahrheit erzählt. Eine verworrene Geheimdienstgeschichte, die viel Raum für Interpretationen lässt.
Das Besondere daran: Tatzkow grub vorurteilsfrei in der Vergangenheit. Er wollte nichts beweisen, sondern nur die Wahrheit finden. Und nebenbei erzählt er, wie mit ihm und seinem Bruder umgegangen wurde, als ihre Eltern im Gefängnis saßen. Darum haben wir es hier nicht nur mit einer Spionagegeschichte, sondern auch mit einer Sittengeschichte zu tun. Einmalig, gewiss, aber eben auch typisch DDR.