Kann es sein, dass die Schildkröte im selben Hotel am Gardasee wohnt, in das sich Arthur Thalmann verzogen hat? Gut neunzig müsste sein einstiger Lehrer mit dem fliehenden Kinn mittlerweile sein. Eigentlich hat der Bratschist Thalmann andere Sorgen: Vor einem wichtigen Vorspiel ist er davongelaufen und sollte üben. Stattdessen liegt er am Pool, spaziert durch malerische Gassen und wird immer vehementer von Erinnerungen an die Schulzeit und die sadistischen Methoden der Schildkröte heimgesucht. Und an die Schuld, die er selbst auf sich geladen hat.
Was war das stets für ein fieser Spaß: Zu Silvester haben Arthur Thalmann und einige Kumpel den Garten ihres Lehrers Knäbel mit Klopapier verunstaltet und Schnee (mitunter samt Hundekot) im Briefkasten deponiert. Eine verständliche Rache für die sadistischen Lehrmethoden der Schildkröte, wie Herr Knäbel bei ihnen hieß. Doch dann lief alles aus dem Ruder, und seither quält sich Thalmann mit seinem schlechten Gewissen, unliebsamen Erinnerungen an die Schulzeit und nun auch noch Panikattacken herum. Die Atemübungen seiner Therapeutin helfen auch nicht nachhaltig, sodass sich der Bratschist auf unbestimmte Zeit in ein etwas heruntergekommenes Hotel in Garda einquartiert. Aber wen entdeckt er in genau diesem Hotel? Die Schildkröte. Was soll Thalmann tun? Ihn ansprechen oder lieber nicht? Ihn zu beobachten erscheint erst einmal das Beste. Sich mithilfe von Negronis und Flanieren abzulenken das Zweitbeste. Doch dass der Zauderer Thalmann damit nicht durchkommt, ist nicht nur ihm bald klar.