Sowohl künstlerische als auch kunstpädagogische Prozesse werden von den Orten der Produktion geprägt. Kunstakademien stellen dabei besondere Orte des künstlerischen Austausches, der Entwicklung und Vertiefung der eigenen künstlerischen Arbeit dar. Doch wie wirkt sich eine Kunsthochschule als Bildungsinstitution auf künstlerische Lehr- und Lernprozesse aus? Inwiefern bildet sich eine kunstpädagogische und kunstdidaktische Praxis erst im Wechselspiel mit ihrem Studienort heraus?
Dieser Band befragt die ortsspezifischen Bedingungen ästhetischer Bildungsprozesse an Kunstakademien und Kunsthochschulen. Welche Besonderheiten, Eigenheiten, aber auch Herausforderungen birgt die Situierung des Lehramtsstudiums Kunst an Kunsthochschulen? Hier steht zunächst die künstlerische Praxis und weniger die Schule oder der Kunstunterricht im Mittelpunkt des Studiums. Zugleich aber ist die Frage nach der Lehrbarkeit von Kunst allgegenwärtig und führt die Beteiligten zu beständig neuen Perspektivierungen des eigenen Schüler:innen-Lehrer:innen-Verhältnisses.
Die Beiträge beleuchten, auf welche Weisen Fragen zur Gegenwartskunst, die in der eigenen künstlerischen Auseinandersetzung verhandelt werden, auch die Form und inhaltliche Ausrichtung der Kunstpädagogik innerhalb des Studiums und darüber hinaus beeinflussen.
Alle Autor:innen des Bandes bewegen sich dabei im Spannungsfeld des beständig auszutarierenden Verhältnisses von Kunst und Lehre. Daraus ergeben sich unterschiedliche Textformen der Künstler:innen und Kunstpädagog:innen, die eine spezifische Reflexion ihrer Rollenwechsel zwischen Kunst und Pädagogik innerhalb der vielfältigen Kunsthochschullandschaft ermöglichen.
Kunstpädagogische Praxen an Kunsthochschulen unterscheiden sich in vielfacher Hinsicht von jenen an Universitäten. In dieser Publikation diskutieren acht Lehrende verschiedener deutscher Kunsthochschulen aus unterschiedlichen Perspektiven die Besonderheiten spezifischer Lehr- und Lernumgebungen.
Im Zentrum des Sammelbandes steht die Frage nach der Verortung des künstlerischen Lehramtsstudiums an Kunstakademien, an denen die eigene künstlerische Praxis im Vordergrund steht. Daraus ergeben sich besondere Herausforderungen und Chancen für die Ausbildung zukünftiger Kunstpädagog:innen. Die Beiträge untersuchen, wie sich kunstpädagogische Praxis in der Lehre entfaltet, welche hochschulspezifischen Formate entstehen und wie diese durch die eigene künstlerische Tätigkeit der Lehrenden geprägt sind.
Die Texte beleuchten die unterschiedlichen institutionellen Rahmenbedingungen sowie die Eigenheiten didaktischer Konzeptionen - oder deren bewusste Abwesenheit - in Künstler:innenklassen. Sie fragen, inwiefern diese Strukturen das Verhältnis von Kunst und Pädagogik prägen, und zeigen, wie die Reflexion über künstlerische Bildungsprozesse zur Grundlage einer kunstpädagogischen Haltung wird.
Durch Beispiele aus der kunstdidaktischen Praxis, durch bildbasierte Zugänge sowie die Auseinandersetzung mit impliziten Lehrformaten geben die Autor:innen Einblicke in ein Spannungsfeld, das nicht nur disziplinär zwischen Kunst, Pädagogik und Wissenschaft liegt, sondern auch konkret in der Lehre wirksam wird. Die Veröffentlichung macht sichtbar, wie sehr die Ausbildung von Kunstpädagog:innen an Kunsthochschulen vom Dialog zwischen eigener künstlerischer Praxis, hochschuldidaktischer Reflexion und institutioneller Situiertheit geprägt ist.
Die Publikation richtet sich an Kunstpädagog:innen, Lehrende an Hochschulen, Studierende der Kunstpädagogik sowie an Personen aus der kulturellen Bildung, die sich für die Gestaltung künstlerischer Lehr- und Lernprozesse interessieren.