Für jeden, der sich von den Anfängen christlichen Mönchtums ein Bild machen möchte, ist die sogenannte Historia Lausiaca eine ergiebige Quelle, denn ihr Verfasser, der spätere Bischof Palladius von Helenopolis (um 364 - 420/30), hat selbst am Ende des 4. Jahrhunderts viele Jahre unter den Einsiedlern Ägyptens und in Palästina gelebt. Der lateinische Titel dieser Geschichten aus dem frühen Mönchtum verdankt sich der Widmung an den einflussreichen Hofbeamten Lausos, der unter Kaiser Theodosius II. (408 - 450) Praepositus sacri cubiculi (oberster Kammerherr) war und dieses wichtige Amt zumindest in den Jahren 419 / 20 innehatte. Zu einer Zeit, als die Wüsten Ägyptens von Tausenden von Eremiten bevölkert waren, hat Palladius weite Wege auf sich genommen, um herausragende oder auch absonderliche Asketen aufzusuchen, deren Lebensweise er beschreibt und deren oft fabulöse Erzählungen er wiedergibt. Seine Mönchsgeschichten haben einen historischen Hintergrund, aber im Vordergrund stehen Männer und auch Frauen, die um der Nachfolge Christi willen ein Leben in rigoroser Askese führten. Deren Welt ist dem heutigen Leser fremd, aber ihre Wirkungen reichen bis in die Gegenwart. Der Band bietet eine ausführliche Einleitung sowie eine neue deutsche Übersetzung.